1917, Der Totale Krieg in Flandern

1917

Kriegsjahr 1917

Wer über den Ypernbogen spricht, wird im gleichen Atemzug auch das Kriegsjahr 1917 erwähnen. Die Ereignisse dieses Jahres haben sich in unser kollektives Gedächtnis eingebrannt. Eine Reihe von Explosionen sorgte für ein großes künstlich erzeugtes Erdbeben und die Soldaten mussten nicht nur gegen den Feind, sondern auch gegen den Schlamm kämpfen. Die Dritte Flandern- bzw. Ypernschlacht, die auch als Schlacht von Passendale bekannt ist, zerstörte die Landschaft und eine Vielzahl von Menschleben.

 

Minenschlacht: Starke Explosionen schufen enorme Krater

View of Wytschaete by NLS is licensed under CC BY 4.0Die Minenschlacht – für die Briten „The Battle of Messines (Ridge)” und für die Deutschen die „Schlacht am Wytschaetebogen” oder die „Schlacht bei Messines” - leitete die Dritte Flanderschlacht ein. Die Minenschlacht begann am 7. Juni und endete am 14. Juni 1917. Die Briten wollten mit einer Großoffensive die Front durchbrechen. Endziel war die Eroberung der Häfen Oostende und Zeebrügge. Die deutschen U-Boote waren den Alliierten im Frontbereich ein Dorn im Auge. Die Briten wollten den Überraschungseffekt nutzen, um die Deutschen auszuschalten, und setzten zu diesem Zweck Spezialtruppen von Tunnelbauern - die sogenannten „Tunneling Companies” - ein, die sich den Deutschen durch unterirdische Tunnel unbemerkt nähern und sie verminen sollten. Am Morgen des 7. Junis 1917 explodierten um 4.10 Uhr Ortszeit (Zero Hour) zwischen Hill 60 und Ploegsteert fast gleichzeitig 19 der 24 unterirdischen Minen. Die Überraschung, die Wirkung und das Chaos bei den Deutschen waren gewaltig. Es war der bis dato größte militärische Erfolg der Briten. Der Bogen bei Wijtschate-Mesen wurde auf diese Weise begradigt. Neben den britischen Einheiten waren auch irische (Heuvelland), neuseeländische (Mesen) und australische Truppen (Ploegsteert) an der Schlacht beteiligt.

Die deutschen Truppen griffen die Briten am 12. Juni 1917 zum ersten Mal mit einem neuen Gas – dem Senfgas – an, das auch als Yperit bezeichnet wurde: ein schlechter Start für den vier Tage später beginnenden Artilleriebeschuss der Alliierten. Die Minenschlacht war zwar ein militärischer Erfolg, die Fortsetzung ließ jedoch geraume Zeit auf sich warten. Die Dritte Flandernschlacht begann erst am 31. Juli 1917.

 

Dritte Flandernschlacht: Das Schlachtfeld wurde zum Schlammsee

Picture by F. Hurley - source: AWM (E01220). Five Australians, members of a field artillery brigade, passing along a duckboard track over mud and water among gaunt bare tree trunks in the Ypres Salient.In der Dritten Flandernschlacht erhielt der Name „Passendale“ mythische Dimensionen. Die Schlacht dauerte vom 31. Juli bis 10. November 1917. Passendale bedeutete für die Briten das gleiche wie Verdun für die Franzosen und wurde schnell in „Passion-dale” – das „Tal des Leidens” - umbenannt. Die Briten wollten ursprünglich die Häfen von Oostende und Zeebrügge ausschalten, da dort die deutschen U-Boote lagen, die die Versorgung unterbrechen sollten. Ende Juli regnete es jedoch in Strömen und das durch den fortwährenden Beschuss zerstörte Gelände entwickelte sich rasch zu einem Sumpfgebiet. Als am 31. Juli die Offensive begann, konnten  Soldaten und Material  durch den Schlamm kaum weiterkommen. Es folgten größere und kleinere Angriffe mit zwischenzeitlichen Pausen. Es wurden zwar Erfolge erzielt, aber die Offensive verlief nicht so, wie geplant. Die deutsche Verteidigung blieb größtenteils intakt. Der anhaltende Regen und der fortwährende Beschuss veränderten die Landschaft in einen unzugänglichen Schlammsee. Die Kanadier eroberten Passendale schließlich am 6. November, was eigentlich schon im August hätte geschehen sollen.

Nach 100 Tagen waren die Briten 8 km vorgerückt, aber der Preis war hoch: Viele Soldaten des Commonwealth waren tot, verwundet oder vermisst. Auch die Deutschen erlitten starke Verluste und das zerstörte Material konnte nicht mehr ersetzt werden. Die „Materialschlacht” führte letztendlich dazu, dass die deutsche Frühjahrsoffensive 1918 zum Stillstand gebracht werden konnte, bei der die 8 km in wenigen Tagen zurückerobert wurden.

 

Verlauf der Schlachten

Tyne Cot Cemetery - ZonnebekeAus dem Verlauf der Schlachten geht hervor, dass 1917 zahlreiche Nationalitäten daran beteiligt waren.
 

  • Minenschlacht bei Mesen (7. Juni-30. Juli 1917): Britten, Iren, Neuseeländer und  Australier 
    • Schlacht bei bij Wijtschate-Mesen (7.-14. Juni)
    • Nördlich von Ypern (ab 12./13. Juli)
       
  • Dritte Flandernschlacht (31. Juli-10. Nov. 1917)
    In dieser Schlacht wurden auch Franzosen eingesetzt.
     
    • Erste Phase (31. Juli-28. Aug.): Britten
      • Schlacht bei Pilkem (31. Juli-2. Aug.)
      • Schlacht bei Langemark (16.-18. Aug.)
         
    • Zweite Phase (20. Sept.-12. Okt.): ANZACS
      • Schlacht am „Meenseweg” (20.–25. Sept.)
      • Schlacht am Polygoonwald (26. Sept.-3. Okt.)
      • Schlacht bei Broodseinde (4. Okt.)
      • Schlacht bei Poelkapelle (9. Okt)
      • Erste Schlacht von Passendale (12. Okt.)
         
    • Dritte Phase (26. Okt.–10. Nov.)
      • Zweite Schlacht von Passendale (26. Okt.-10. Nov.): Kanadier

 

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